Das ReinHeart System

Am Institut für Angewandte Medizintechnik wurde der Grundstein für ein künstliches Herz bereits in den 1990ern gelegt. Seit 2009 wird nun unter dem Namen "ReinHeart“ ein vollimplantierbares Kunstherz entwickelt, das entscheidende Neuerungen beinhaltet. Dieses System erfüllt die Vision, nahezu wartungsfrei über viele Jahre im Körper des Menschen zu schlagen und gleichzeitig so klein zu sein, dass es in den Großteil der Patienten implantiert werden kann. Um dies zu realisieren, arbeiten Ingenieure, Techniker und Mediziner eng zusammen.

Das zentrale Element des Kunstherzsystems ist die Pumpeinheit, die das menschliche Herz komplett ersetzt. In ihr bringt ein patentierter, wartungsfreier Linearantrieb das Kunstherz zum Schlagen. Die Pumpkammern imitieren mit ihren künstlichen Klappen die Funktion der Herzkammern. Die Kontrolle über die Antriebseinheit geht von der Regelungseinheit aus, die mit einem Pufferakku implantiert wird. Die elektrische Energie gelangt über ein Spulensystem durch die geschlossene Haut, um den Akku aufzuladen. Das Spulensystem besteht aus einer Empfängerspule, die unter die Haut implantiert wird, und einer Senderspule, die sich außen am Körper auf der Haut befindet. Die Energie zur Versorgung des Systems stellen externe Akkus bereit, die außen am Körper getragen werden.

Der Anspruch an die Haltbarkeit solch eines Systems, das permanent betrieben wird und an dem nach Implantation keine Reparaturen vorgenommen werden können, ist enorm. Die Haltbarkeit der wichtigsten Komponenten des ReinHearts wurde bereits in ausführlichen Laboruntersuchungen nachgewiesen. Hierzu trägt vor allem das extrem verschleißarme Antriebskonzept bei. Zudem wurde die Passform des Systems in anatomischen Studien optimiert.

Dadurch, dass das System kompakt und vollimplantierbar ist, ergeben sich zwei wesentliche Vorteile für den Patienten. Zum einen gibt es keine Gefahr von Infektionen durch Hautdurchtrittsstellen. Zum anderen erreicht der Patient durch den Pufferakku und die leichten, ablegbaren externen Komponenten einen hohen Grad an Mobilität, was entscheidend zur Lebensqualität beiträgt. Die Funktionalität der Antriebseinheit wurde bereits in akuten und in chronischen In-vivo-Versuchen validiert.